04.12.2020

Moderne Steinkohlekraftwerke werden nach Auktion stillgelegt.

Mineralische Nebenprodukte tragen weiterhin zur Ressourceneffizienz bei.

Die Bundesnetzagentur hat jetzt die für eine Stilllegung vorgesehenen Kraftwerke aus der ersten Ausschreibungsrunde im Kohleausstieg bekanntgegeben. Bereits im kommenden Jahr sollen u.a. das Heizkraftwerk Moorburg von Vattenfall, das Kraftwerk Heyden von Uniper sowie die Kraft­werke Westfalen und Ibbenbüren von RWE vom Netz gehen.

„Ob die Kraftwerke einfach abgeschaltet werden können, ohne die Stromversorgung zu gefähr­den, werden die deutschen Übertragungsnetzbetreiber nun noch bis zum März 2021 entscheiden“, erklärt WIN-Geschäftsführer Thomas Kaczmarek, dessen Mitglieder ebenfalls Kraft­werke in die Auktion eingebracht haben.

„Wir haben in Deutschland die Situation, dass der Strombedarf kontinuierlich und stabil weiter wächst. Diese Nachfrage muss mit den verfügbaren Energieträgern und Kraftwerken im Energie-Mix verlässlich und rund um die Uhr gestillt werden. In letzter Zeit stellten wir aber immer wieder feststellen, dass Anlagen mit größeren Volllaststunden laufen können, wenn andere in Revision gehen oder jetzt aus dem Markt genommen werden sollen. Das sorgt für eine effiziente und effektive Absicherung der Grundlast.“

Und es bedeute, dass Kraftwerksnebenprodukte weiterhin im Markt zur Verfügung stünden. Mit der in den nächsten Jahren greifenden Reduzierung von Steinkohlekraftwerken werde allerdings auch die verfügbare Menge an Kraftwerkenebenprodukten wie Flugasche für Beton, Kesselsand für Kultursubstrate oder REA-Gips für den Leicht- und Innenausbau weiter zurückgehen. Man stelle bereits fest, dass z.B. die Betonkunden Flugasche zunehmend dort einsetzten, wo besondere Anforderungen an den Beton erfüllt werden müssen. Die technologischen Eigen­schaften der Flugasche machen sie zu einem kaum ersetzbaren und wertvollen mineralischen Sekundärrohstoff.

Auch die Vorteile bei der Bewertung von Umwelteinwirkungen erhalten zunehmend Gewicht. So kann der Zementanteil als Bindemittel im Beton ohne jede Qualitätseinbuße durch den Einsatz von Flugasche als Hauptbestandteil erheblich reduziert werden. Dadurch werden nicht nur die natürlichen Ressourcen geschont, da weniger Kalk und Ton abgebaut und energieintensiv auf­bereitet werden müssen, es wird auch deutlich weniger Kohlendioxid emittiert. „Flugasche trägt zur Ressourceneffizienz bei und hat lt. ÖKOBAUDAT im Vergleich nahezu keine zusätzlichen Auswirkungen auf die Umwelt“, erläutert Kaczmarek. „Dadurch wird die Ökobilanz von Beton deutlich verbessert.“

Mit dem Heizkraftwerk Moorburg soll z.B. eines der effizientesten Steinkohlekraftwerken in Europa nach nur fünf Jahren wieder vom Netz genommen werden. Die Anlage im Hamburger Hafen verursacht bei voller Leistung rund ein Viertel weniger CO2-Emissionen im Vergleich zu älteren Steinkohlekraftwerken und hat einen sehr hohen Wirkungsgrad von 46,5 Prozent bei der Stromerzeugung.

„Inzwischen schwärmen Politik, Energiewirtschaft und Gesellschaft von grünem Wasserstoff und träumen vom beschleunigten Ausbau der Erneuerbaren Energien. Leider sieht die Realität bei den Forschungsergebnissen zur Massentauglichkeit und bei den Genehmigungsverfahren anders aus. Bis eine signifikante Menge an grünem Wasserstoff für industrielle Prozesse in Stahl, Chemie oder Zement verfügbar ist, werden wir wohl 2030 schreiben“, berichtet Kaczmarek. Und der Ausbau von Windkraft, Solardächern oder der erforderlichen Stromleitungen erreiche bei weitem nicht die Zielgrößen.

Im Fahrplan des nationalen Klimaschutzes werden zudem im kommenden Jahr die Atomkraftwerke in Brokdorf, Grohnde und Gundremmingen abgeschaltet, sowie Emsland, Neckarwestheim und Isar als letzte Meiler bis Ende 2022. „In dieser Gemengelage und dem prognostizierten Anstieg des Strombedarfes schalten wir per Auktionsverfahren einfach ein paar große und moderne Steinkohlekraftwerke ab“, gibt der Verbandsgeschäftsführer zu bedenken. „Auch wenn sie sauberer sind als andere und als Braun­kohlekraftwerke sowieso.“ Hier zeige sich, dass nicht der Umweltschutz und die wirkliche Redu­zierung des CO2-Ausstoßes bei gleicher Leistung im Mittelpunkt der Entscheidungen stehe, sondern Steinkohlekraftwerke im Gegensatz zur Braunkohle benachteiligt abgeschaltet würden. Betreiber, die jetzt nicht handeln, liefen Gefahr, dass sie für eigene Anlagen zum Ende der Aukti­onsverfahren im Jahr 2026 keine Entschädigung mehr erhielten und einen Totalverlust ver­buchen müssten.

Zwar steige der Ökostrom-Anteil in diesem Jahr auf einen Rekordwert, dennoch müssen die Netzbetreiber an vielen Tagen mit großem Aufwand und hohen Kosten großflächige Stromschwankungen durch teure Stromimporte ausgleichen, da witterungsbedingt plötzlich Energie aus Wind und Sonne in einer Größenordnung von mehreren Gigawatt fehlten. Die Netz-betreiber warnen bereits jetzt vor einem sprunghaften Anstieg dieser Regulierungskosten, die bereits weit über eine Milliarde Euro verschlungen haben. Nur so konnten Blackouts durch die extremen Schwankungen bei der Einspeisung von diskontinuierlichen Energieerzeugern verhindert werden.

Solange Speichertechnologien noch nicht in großem Maße entwickelt seien und der Zubau von Erneuerbaren Energien nicht voran komme, benötige Deutschland als viertgrößte Volkswirtschaft der Welt eine gesicherte Leistung für die Grundlast bei Strom und Wärme, resümiert Kaczmarek. Insofern blieben Erdgas oder Kohle als Energieträger und als Brückentechnologie im Energie-Mix weiter enthalten, bis auch die Herstellung und Verteilung von grünem Wasserstoff - aus erneuerbarer Energie – in großem Maßstab gelingt.

Die vollständige Pressemeldung kann hier heruntergeladen werden.

Diese Internetseite ist ein Service des
Wirtschaftsverbandes Mineralische Nebenprodukte e.V.

Logo - win-ev.org
  • Twitter