16.07.2018

Ökostrom vor Kohle

Erstmals mehr Strom auf Basis Erneuerbarer Energien als durch Braun- und Steinkohle

Der Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung lag in den ersten sechs Monaten dieses Jahres erstmals vor der Braun- und Steinkohle: Laut ersten Schätzungen haben die Erneuerbaren mit fast 119 TWh zur Bruttostromerzeugung beigetragen. Das entspricht einem Anstieg von über 10% gegenüber dem Vorjahreszeitraum (1. Halbjahr 2017). Ihr Anteil an der Stromerzeugung lag demnach im ersten Halbjahr 2018 bei gut 41%. Dagegen ist die Stromerzeugung aus Braun- und Steinkohle auf etwa 110 TWh zurückgegangen.

BDEW-Geschäftsführer Stefan Kapferer sagte, dass diese Zahlen den marktorientierten, schrittweisen Ausstieg aus der Kohleverstromung bestätigen. Die Festlegung eines Enddatums sei nicht erforderlich. Allerdings bleibe völlig unklar, wie ein Back-up für die schwankende Einspeisung aus Erneuerbaren Energien aussehen soll, wenn weitere Kohlekraftwerke vom Netz genommen werden.

Nach Berechnungen des BDEW werde bis zum Jahr 2022 die Erzeugung aus konventionellen Kraftwerken und nach Ausstieg aus der Kernkraft um weitere 16 Prozent sinken. „Spätestens 2023 laufen wir also in eine Unterdeckung bei der gesicherten Leistung“, so der BDEW Geschäftsführer.

„Da der Netzausbau für die Offshore-Windkraft noch auf absehbare Zeit lahmt, werden wir in Anbetracht dieses BDEW-Szenarios und dem Wunsch nach Versorgungssicherheit, Sauberkeit und Wirtschaftlichkeit auf die konventionelle Energieerzeugung so rasch nicht verzichten können,“ prognostiziert WIN-Geschäftsführer Thomas Kaczmarek in einer Verbandstagung in Düsseldorf. „Auch den mit Sorgfalt und Augenmaß bemessenen Ausstieg und Strukturwandel in den Braunkohlerevieren werden wir gemeinsam schultern müssen und fehlende Grundlasteinträge aus der Braunkohle auffangen.“

Von 2010 bis 2016 war die Stromerzeugung in Steinkohlekraftwerken relativ stabil. Rund 3,1 Mio. t Flugasche standen als wertvoller Sekundärbaustoff für die Betonherstellung zur Verfügung. Im Jahr 2017 gab es ein Minus von etwa 18%. Dieser starke Rückgang war auch für die Betonkunden spürbar. Im ersten Halbjahr fiel diese Entwicklung mit nur 10 Prozent deutlich geringer aus.

„Seit Ende April zeigt sich das Wetter bei uns von seiner besten Seite mit viel Sommersonne und Wind. Darauf haben die Kraftwerksbetreiber reagiert und führen Ihre Revisionen durch. Flugasche bleibt also ein knappes Gut, von einem frühzeitigen Ende kann jedoch nicht die Rede sein“, erläutert der Verbandsgeschäftsführer.

Bild 1) Entwicklung der Stromproduktion in TWh (%)
Quelle: Fraunhofer-ISE (www.ise.fraunhofer.de)

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